Jürgen Rosskothen

Frage: Guten Tag, Herr Rosskothen.
Antwort: Hallo, Frau Blum!

Wie geht es Ihnen gerade?
Ich freue mich auf unser Gespräch. Danke, gut.

In welchen Situationen geht es Ihnen besonders gut?
Wenn ich das Gefühl habe, dass ich mit meinen Anregungen und Interventionen erfolgreich bin.

Sind Sie erfolgreich?
Lassen Sie uns vorher erfolgreich definieren

Nur zu!
Erfolgreich bedeutet für mich, dass durch meine Arbeit, und ich bin ja nur Katalysator, Projekte vorangetrieben, zwischenmenschliches Miteinander und Arbeitsqualität gesteigert werden. Kurz: Dass Arbeit wieder Spaß macht.

Was macht Ihnen an Ihrer Arbeit am meisten Spaß?
Da ich es häufig mit Kunden zu tun habe, die sich mich nicht direkt ausgesucht haben, sondern die Personalabteilung, der Vorgesetzte, der Vorstand etc., ist ein Spaß- oder vielleicht besser: Erfolgsfaktor der Moment, wenn meine Kunden mich und meine Methoden akzeptiert haben und zu engagierten Teilnehmern werden.

Als was sehen Sie sich?
Ich bin eine Mischung aus Kommunikationstrainer, Coach, Berater, Mediator und Event- und Projektmanager.

Welches davon ist Ihr Lieblings-Ego?
Die sind alle gleichzeitig da. Ich wähle immer das, was in der momentanen Situation die größtmögliche, positive Veränderung erzeugt.

Das klingt nach einer, je nach Situation, großen Belastung. Wie gehen Sie mit Belastungen um?
Belastung und Freude sind subjektive Empfindungen. Bei meiner Arbeit, egal wie groß die Belastung ist, empfinde ich Freude. Da darf es dann auch ruhig schon mal länger gehen. Mit einem Kamingast oder interessanten Teilnehmergesprächen an der Hotelbar.

Wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen?
Durch Berufung.

Wer oder was hat Sie berufen?
Es waren die Umstände.

Welche Umstände?
Ich war als Jugendlicher in einem Sportverein und der Trainer fiel aus. Da habe ich kurzerhand die Initiative ergriffen und die Trainingseinheit geleitet.

Das war’s?
Natürlich nicht. Ich bekam Aufmerksamkeit und mir wurde angeboten, an einer Ausbildung zum Bundesübungsleiter teilzunehmen. So wurde ich mit 16 Jahren Leichtathletiktrainer. Nach meiner Ausbildung zum Industriekaufmann bekam ich die Möglichkeit, in den USA bei einer Tochtergesellschaft tätig zu werden. In Kalifornien war ich dann mit Anfang 20 der „technische Experte“ aus Deutschland und durfte mein Wissen an eine erheblich ältere Mitarbeiterklientel vermitteln.

Gab es Rückschläge in dieser Laufbahn?
Nie.

Glaube ich Ihnen nicht.
Ich habe in meinem Berufsleben immer für Abwechslung gesorgt. Wenn etwas langweilig wurde oder die Gefahr bestand, dass ich nachlässig wurde, habe ich mir neue Herausforderungen gesucht.

Sind Trainer eitel und selbstverliebte Selbstdarsteller?
Ein kleines bisschen Rampensau-Gen ist hilfreich.

Wie gehen Sie mit Lampenfieber um?
Augen zu und durch. Obwohl Lampenfieber einer Nahtod-Erfahrung nahekommt, habe ich die Erfahrung gemacht, dass das Publikum davon in den seltensten Fällen etwas mitbekommt.

Stellen Sie sich vor, ich wäre die gute Fee und Sie hätten einen Wunsch frei. Nur einen.
Eine gewaltfeie Welt. Mit mehr Humor und mehr Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Das würde viele Entscheidungen schneller und leichter machen.

Ich sagte ja bereits, nur einen Wunsch. Aber gut. Was wäre für Sie das größte Unglück?
Nicht mehr sprechen zu können.

Was würden Sie tun, wenn Sie nicht mehr sprechen können?
Schreiben. Oder, wie Stephen Hawking, eine Prothese benutzen.

Was bedeutet Freundschaft für Sie?
Vertrauen und Verlässlichkeit.

Sind Sie, in Ihrem Sinne, immer ein guter Freund?
Uneingeschränkt ja.

Sehen Ihre Freunde das genauso?
Das müssen Sie die fragen.

Welche Werte sind für Sie wichtig?
Vertrauen, Verlässlichkeit, Zugehörigkeit.

Welches ist für Sie das beste Lied der Welt?
Meeresrauschen.

Ich sehe, wir verstehen uns.
Ich könnte auch sagen, das sonore Brummen eines großvolumigen Schiffsdiesels.

Das ist interessant. Sie wirken auf mich auch ein bisschen wie ein Schiffsdiesel. Welche ist Ihre Lieblingsfarbe?
Tropisch-meerisch-türkis-goldblau. Oder kunterbunt.

Wie das Eigenheim von Frau Langstrumpf?
(Ziert sich) Ich denke gerade zum ersten Mal darüber nach. Und Sie haben Recht. Pippi ist eine Heldin.

Eine Heldin?
Getreu dem Motto: „Aus den Steinen, die man dir in den Weg legt, kannst du etwas Schönes bauen“.

Welches Bild haben Sie vor Augen, wenn Sie sich mit 80 Jahren vorstellen?
An der Seite meiner Frau, Schaukelstuhl, Veranda, freie Sicht zum Horizont, gerne über den Dächern Berlins.

Alleine?
Mitnichten.

Sondern?
Mit meiner Frau, den Kindern und den Enkelkindern.

Das klingt romantisch.
Ist das eine Frage?

Ich stelle hier die Fragen.
Dann stellen Sie mir doch eine Frage.

Was ist für Sie das größte Glück?
Working hard, playing hard.

Das verstehe ich nicht.
Die Balance zwischen Anspannung und Entspannung.

Wie entspannen Sie sich?
Das ist sehr unterschiedlich.

Ich kann warten…
Kochen mit Familie oder Freunden, ausgedehnte Waldspaziergänge mit unserem Hund, Kurzurlaube am Meer oder auch neue Projekte in Haus und Garten planen. Und umsetzen.

Welches Buch lesen Sie im Moment? Ich bitte um eine ehrliche Antwort.
Ich lese gerade kein Buch. Auch wenn mir das eventuell keinen besonders intellektuellen Anstrich verleiht. In der Pipeline wartet eine gesunde Mischung aus Fachliteratur und Belletristik.

Welche Frage möchten Sie gerne noch beantworten?
Fragen Sie mich doch mal, ob ich glücklich bin.

Wenn Sie möchten – Sind Sie glücklich?
Uneingeschränkt ja.

Woran liegt das?
Ich habe eine Frau, die mich liebt. Freunde, denen ich vertrauen kann. Gesundheit und eine Arbeit, die mich erfüllt.

Hat Ihnen unser kleines Interview Spaß gemacht? Trotzdem Sie nicht die Führung hatten?
Vielen Dank, ja, sehr!

Mir ebenfalls. Vielen Dank dafür!

Das Interview führte Louise Blum.